Rezensionen

Ausgewählte Rezensionen

„TŁO“ / „Hintergrund“ (ersch. 2019)

 

Wie macht sie das? Ganz einfach: Sie nimmt aus dem Hintergrund ein Detail und vergrößert es. Mit einem einzigen Federstrich. Der Akt der Auswahl ist stets ein schöpferischer Akt – der Maßstab verändert sich, es entsteht Spannung. Mitunter bis zum Schmerz. Wie im Haiku gibt ein Minimum an Worten den vollen Einblick in das Wesen der Dinge. Man mag es kaum glauben, dass das Drama des Lebens, das Drama des Todes ganz und gar in diese überaus zarten und sparsamen Gedichte passen.
Und doch gelingt es ihr – Agnieszka Herman hat einen Zyklus minimalistischer Gedichte geschrieben, die mit jeder weiteren Lektüre wachsen. Geht es nicht genau darum in der wahren Poesie?

Anna Janko

(…) Die Parallelität der einleitenden Quasi-Titel verleiht dem gesamten Band einen litaneihaften Charakter. Jenes „es sei“ („es seien“) weckt die Assoziation an die vom Schöpfer gesprochene Formel: „Es werde…“. Die Gedichte von Agnieszka Herman enthalten somit ein Echo jener Worte, deren Aussprechen die Welt aus dem Nichts hervorholte. Soll das Wort des Dichters rettenden Charakter haben, muss es den Spuren des Wortes folgen, das von Dem gesprochen wurde, Der Ist. Wahre Poesie ist Teilhabe an der schöpferischen und erlösenden Geste Gottes.

Janusz Nowak, „Z popiołu i słońca my wszyscy“ („Aus Asche und Sonne sind wir alle“), TOPOS

„Tło“ von Agnieszka Herman ist keine sentimentale Erzählung über das menschliche Empfinden, sondern ein Kaleidoskop von Porträts menschlicher Empfindsamkeit. Schon im ersten Gedicht, das den Band eröffnet – „der Hintergrund sei ein Bett mit hölzernem Kopfteil“ –, erscheint eine wichtige Illustration einer Wende in der zeitgenössischen Poesie. Wichtiger als erhabene Ziele sind hier die Emotionen. Deshalb bildet das Trauergebet, das aus den „durch die Finger gleitenden Rosenkranzperlen“ strömt, eine mythische Brücke zwischen Mensch und Gott. Herman bewegt sich auf schwankendem Grund, berührt die empfindlichsten Stellen des Menschen und ruft zugleich seine Vorstellungskraft an.

Anna Łozowska-Patynowska, „Jak sportretować uczucie?“ („Wie porträtiert man ein Gefühl?“), LATARNIA MORSKA

„Tło“ ist eines der besten Gedichtbücher dieses Jahres. Hervorragend gesetzt, mit einer interessanten Idee und konsequenter Umsetzung. Außergewöhnlich bewegend sind auch die Fotografien, die Kleinigkeiten zeigen – Gegenstände des täglichen Gebrauchs oder Ausschnitte uns wohlvertrauter Kulissen. Bild und Wort spielen hier wunderbar zusammen und unterstreichen die besondere Atmosphäre dieser lyrischen Erzählungen.

Kinga Młynarska, PRZECZYTANE, NAPISANE

Ein konzeptueller, überaus geschlossener und konsequenter Band (…) Das menschliche Auge nimmt im Hintergrund, im Schatten, im Nebel verschwommene Bilder wahr; je weiter vom Objekt entfernt, desto schlechter sehen wir sie. Agnieszka Herman geht mit ihrem Objektiv gleichsam nicht von diesem Hintergrund fort, sondern auf ihn zu. Und sie holt jene Sonderbarkeiten hervor, die sich im Hintergrund verbergen wollten.

MAGAZYN LITERACKI KSIĄŻKI

Das Buch ist eine Synthese aus erlesener grafischer Gestaltung und Miniaturgedichten. (…) Die titelgebenden Hintergründe bergen alle dramatischen und freudigen Dinge und fügen sich zu einer Erzählung über das menschliche Los.

Janusz Nowak, GOŚĆ NIEDZIELNY

Die Gedichte von Agnieszka Herman aus dem Band „Tło“ sind gleichsam zeitlos, für die Ewigkeit angehalten. Unser Leben besteht aus dem Aufblitzen von Augenblicken, an die wir uns später erinnern und denen wir einen Sinn zu geben versuchen. (…) Es drängt sich die Assoziation auf, dass die einzelnen Gedichte gleichsam Perlen eines poetischen Rosenkranzes sind, Sprossen des Entzückens, das uns in einen literarischen Himmel führt.

Zdzisław Antolski

Unsere Spiegel hängen nicht an den Wänden, sondern in unserem Inneren.

Leszek Żuliński, GAZETA KULTURALNA

 

FRÜHERE GEDICHTBÄNDE

 

Eine sehr interessante dichterische Persönlichkeit. Es scheint, als hätten wir es mit einer traditionellen, geordneten Poetik zu tun, eingebettet in einen bestimmten historischen – und ästhetischen – Kontext; doch bald zeigt sich, dass hier von Zeit zu Zeit Unberechenbares auftaucht, als wollte die Autorin sich selbst auf ihrer Reise zum Wort überraschen.

Krzysztof Karasek

Ich lese den Band von Agnieszka Herman mit dem Titel „Zapisane światłem“ („Mit Licht geschrieben“) und labe mich daran. (…) Ungemein gefallen hat mir der zweite Teil von Agnieszka Hermans Band – die Lieder. Lange habe ich keine Lieder mehr gelesen und sehe mit Freude, dass sie gelungen und ungemein persönlich sind und vielleicht oft klüger als jene Galaxien.

Agnieszka Osiecka, EXLIBRIS

Redakteur Piotr Adamczewski hat mich neulich zusammengestaucht, ich betriebe in meinen Kolumnen Schleichwerbung, was sich nicht gehöre und keinen Platz haben dürfe. Nun, Piotr Adamczewski irrt sich – ich betreibe keinerlei Schleichwerbung. Es ist viel schlimmer. Ich werbe auf die direkteste und zügelloseste Weise: für Basia, für Weißwein, für Freunde und einige Unfreunde (wer in Polen würde sich noch an Zbigniew Brzeziński erinnern, gäbe es nicht meine Erwähnungen), für die Poesie der beiden Agnieszkas Herman und Osiecka, für die Lieder von Andrzej Rosiewicz, Kuba Sienkiewicz, Ania Szałapak (…).

Ludwik Stomma, POLITYKA

Den Band „Zapisane światłem“, der 23 Gedichte und 4 Lieder enthält, bewerte ich sehr hoch. Diese Werke zeichnen sich durch formale Kunstfertigkeit, Klarheit, Helligkeit und Präzision des Wortes sowie durch eine gekonnte Organisation des Gedichts aus. Agnieszka Herman versteht es, sich verschiedener poetischer Formen zu bedienen: der konfessionellen, der diskursiven, der antithetischen, der gebethaften, der landschaftlichen sowie der Rollenlyrik. Ihre „mit Licht geschriebenen“ Gedichte gleichen Röntgenaufnahmen, auf denen das Bild der Welt und eine innere poetische Landschaft festgehalten sind. Im Band überwiegen diskursive Gedichte, in die die Dichterin Metaphern und Bilder einflicht – auf natürliche und ungezwungene Weise.

Jan Witan, WIK

Eine reiche Vorstellungskraft, die Treffsicherheit des Wortes, die Kommunikativität der Aussage – das sind die Stärken ihrer Poesie.

Wacław Wiercioch, AKANT

Diese Poesie ruht auf lyrischer und intimer Diktion. Es zeigt sich jedoch, dass diese das Gedicht nicht „übersüßen“ müssen. Aus dem einfachen Grund, dass die Ästhetisierung der Bilder nicht zwangsläufig den Sinn banalisiert. Herman geht durch ihre existenziellen Gassen, und hier hat sie viel zu sagen. Doch seltsam ist diese Erzählung. Ganz herauspräpariert aus dem Lärm des Alltags, aus dem urbanen Getöse, aus der täglichen Mühsal und der banalen Routine. Hier hörte ich unaufhörlich den Spleen der Einsamkeit und leise Schritte, gesetzt weniger auf die Erde als in eine introvertierte Aura.

Leszek Żuliński, LATARNIA MORSKA

„Jesienią najtrudniej iść środkiem dnia“ („Im Herbst ist es am schwersten, mitten durch den Tag zu gehen“) ist DIESE Poesie – gerade auf solche Bücher wartet man; man liest Hunderte von Gedichten in der Hoffnung, irgendwann auf jene zu stoßen, die uns außergewöhnlich bewegen. Agnieszka Herman vermag selbst den anspruchsvollsten Leser zufriedenzustellen.

Kinga Młynarska, PRZECZYTANE, NAPISANE

Die Gedichte von Agnieszka Herman bezaubern durch ihre Stimmung, verführen und berauschen auf weibliche Weise, laden die Leserin und den Leser zu einer Reise ein. Man fühlt sich ohnehin hineingezogen in diese surreale Welt des ausgehenden Herbstes. Auf eine lange, nicht leichte Reise zu den Quellen der Einsamkeit. Und doch ist es eine schöne Wanderung – durch malerische Landschaften, herbstliche Melancholien, Faszinationen für Mystik und Schönheit, also in das Land der Poesie.

Zdzisław Antolski

 

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